Digitalisierung im Handwerk

  • [b][size=12]Wie die Tischlerei Kasper vom Handel im Internet profitiert[/size][/b] Vor drei Jahren hat Julia Kasper die Firma „Holzgespür“ gegründet. Unter der Internetadresse 2www.holzgespuer.de vertreibt die Onlineplattform hochwertige Massivholzmöbel. Das Besondere an diesem Internethandel: Mithilfe eines Online-Konfigurators sind die Kunden selbst in der Lage, einen Esstisch individuell zu entwerfen und zu bestellen. Hergestellt wird dieser Esstisch in der 2Tischlerei Kasper – die wiederum gehört Hermann Kasper, dem Vater der Gründerin. Neue Geschäftsidee dank Digitalisierung „Es gab eigentlich nie den festen Plan in die Tischlerei meiner Eltern einzusteigen“, erzählt Julia Kasper im Rückblick. „Aber während des Studiums bin ich auf die Idee gekommen, dass man eine digitale Geschäftsidee auch prima auf ein traditionelles Gewerk wie das Tischlerhandwerk anwenden kann.“ Nun arbeitet Julia Kasper mit ihren Eltern Hand in Hand. Sie ist die Geschäftsführerin der Firma „Holzgespür“ – ihre Eltern verantworten weiterhin die Tischlerei. Julia Kasper hat zunächst eine kaufmännische Ausbildung gemacht und dann BWL studiert. Im Studium an der WHU, Otto Beisheim School of Management, hat sie andere Gründer kennengelernt und hier wertvolle Impulse für ihre eigene Idee erhalten. Bei der Programmierung des Online-Konfigurators für die individuellen Tische arbeitete sie mit dem 3D-Spezialisten Michael Pauly und Studenten zusammen. „Wir waren übrigens deutschlandweit die ersten, die ein solches Tool im Internet angeboten haben“, berichtet sie stolz. Digitalisierung: Alle Mitarbeiter mitnehmen Für die sieben Mitarbeiter in der Tischlerei des Vaters hat sich seit der Gründung von Holzgespür einiges verändert. Alle Arbeitsschritte werden von Julia Kasper mit der Kamera dokumentiert. Die Kunden erhalten über das Internet die Möglichkeit, die Fertigung ihres Tisches mitzuerleben. „Natürlich fanden es unsere Mitarbeiter am Anfang schon merkwürdig, dass ich ständig mit der Kamera durch die Werkstatt gelaufen bin“, erzählt Julia Kasper. „Aber letztlich wird die Arbeit, die unsere Mitarbeiter leisten, für die Kunden transparent gemacht und erfährt dadurch eine ganz andere Wertschätzung. Die Kunden geben uns häufig Feedback und bedanken sich – solche Kommentare geben wir dann natürlich auch an unsere Tischler weiter. Das motiviert ungemein.“ Gemeinsam mit ihren Eltern hat Julia Kasper aber auch geprüft, wie die Werkstatt insgesamt von den Möglichkeiten der Digitalisierung profitieren kann. Ziel war es, Produktionsprozesse zu vereinfachen und technische Hilfsmittel dort zu nutzen, wo sie eine Arbeitserleichterung darstellen. „Wir haben uns für die Einführung eines Handwerkerhandys entschieden“, sagt Julia Kasper. Jeder Mitarbeiter hat ein eigenes Gerät. Darüber regelt das Unternehmen die Zeiterfassung ebenso, wie die Bestellung von Materialien, die Einsatz- und Urlaubsplanung. Was bringt ein Handwerkerhandy? Vor allem die älteren Mitarbeiter in der Tischlerei standen dem Handwerkerhandy zunächst skeptisch gegenüber. „Aber die Technik ist da und dann soll man sie auch nutzen“, sagt Willi Liesenfeld, der seit 40 Jahren als Tischler arbeitet heute. „Die digitale Zeiterfassung bringt uns Vorteile. Wir haben keine Zettelwirtschaft mehr, sondern tippen die Zeiten gleich für alle sichtbar ins System ein. Wenn ich ein Projekt fertigstelle wird das der Buchhaltung automatisch angezeigt und die Rechnung wird generiert – das geht ganz automatisch ohne, dass über alles gesprochen werden muss.“ Tischlermeister und Geschäftsführer Hermann Kasper ist sich sicher, dass die Einführung des Handys für seinen Betrieb genau das Richtige war: „Das Handwerkerhandy entlastet mich. Dass die Mitarbeiter morgens auf die Baustelle kommen und der Chef hat vergessen die Materialeinkäufe zu machen, das gibt es nicht mehr. Der Mitarbeiter kann die Bestellung einfach selbst aufgeben. Er sieht am nächsten Tag: Für diese Aufgaben bin ich eingeteilt, das sind die Aufträge, die zu bearbeiten sind. Ich als Handwerksmeister habe jetzt einfach wieder mehr Zeit für kreative Dinge – weil die Produktionsprozesse optimiert sind und jeder einzelne Mitarbeiter mehr Verantwortung übernehmen kann.“ Mit gutem Beispiel vorangehen Julia Kasper und ihr Vater haben darauf geachtet, die Mitarbeiter im Unternehmen in die neuen Entwicklungen eng einzubinden. „Bei einem gemeinsamen Grillabend haben wir ganz offen über die Neuerungen gesprochen und jeder Mitarbeiter hatte die Chance, seine Ideen und Gedanken einzubringen “, erzählt Julia Kasper. „Aber letztlich muss man als Führungskraft auch die Offenheit für Digitalisierung vorleben und der Treiber in dieser Entwicklung sein.“ So ist es für Hermann Kasper selbstverständlich, dass er bei den Videos für die Kunden von Holzgespür auch selbst vor der Kamera steht und z. B. unterschiedliche Holzarten präsentiert. Studienabbrecher gezielt einstellen Digitale Kompetenzen werden aber nicht nur von der Stammbelegschaft eingefordert und gefördert. Auch bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter achtet Familie Kasper darauf, dass diese neuen Erfahrungen in diesem Bereich mitbringen. „Wir haben uns bei der Suche nach einer neuen Auszubildenden in der Tischlerei ganz bewusst für eine Studienabbrecherin entschieden“, sagt Julia Kasper. „Sie bringt von ihrer Zeit an der Uni viel Wissen um digitale Techniken mit. Solche Leute brauchen wir hier in der Werkstatt. Und diese Kompetenzen werden in Zukunft immer wichtiger werden.“ [url]http://www.holzgespuer.de/[/url] Quelle: [url]https://www.kofa.de/aus-der-praxis/unternehmen-positionieren/digitalisierung-im-handwerk[/url]
  • [b][size=12]Digitaler Malermeister[/size][/b] Smartphones und Spezialsoftware sind aus der Adam Oswald GmbH nicht mehr wegzudenken. „Ich bin süchtig nach digitalen Arbeitsprozessen“, sagt Frank Oswald und lacht. Man glaubt ihm das: An seiner Bürowand hängen computerbasierte Auswertungen zur Kundenzufriedenheit. Er lässt Mitarbeiter im Rahmen eines Forschungsprojekts des Fraunhofer Instituts tragbare Computersysteme (Wearables) umschnallen, um ihren Nutzen für das Handwerk zu testen. Smartphones und Spezialsoftware sind aus dem Handwerksbetrieb nicht mehr wegzudenken. Frank Oswald träumt gerne von der Zukunft. Und er ist fest davon überzeugt, dass gerade für kleine und mittlere Betriebe eine riesige Chance im digitalen Fortschritt liegt. Frank Oswald hat den Familienbetrieb vor über zwanzig Jahren von seinem Vater übernommen. Er ist Malermeister in vierter Generation. „Ich war unzufrieden“, erzählt er. „Ich habe gemerkt, wie viel Geld man durch schlechte Vorbereitung verliert.“ Der Geschäftsführer wünschte sich mehr Effizienz bei der Vorbereitung und Durchführung der Aufträge – aber auch im Zusammenspiel mit seinen Mitarbeitern. Und er war bereit, sich professionelle Hilfe zu holen. „Bei meinem Vater hatte ich gelernt: Betriebsberater im Anzug werden gleich vor die Tür gesetzt“, erinnert sich Oswald. Die ersten Jahre habe er sich an diesen Rat gehalten – bis die Unzufriedenheit vor etwa zehn Jahren zu groß wurde. Und er mit fremder Hilfe etwas ändern wollte. Der Betriebsberater erzählte Oswald von den Möglichkeiten der Digitalisierung für eine bessere Organisation. Und er vernetzte ihn mit zehn anderen Handwerksbetrieben aus ganz Deutschland in einem „Erfahrungskreis“. All diese Unternehmen hatten die gleichen Probleme. Sie wollten ihre Arbeit besser organisieren. Sie wollten Fehler vermeiden, Zeit und Kosten sparen. Und sie waren bereit, sich von Handys und Computern dabei helfen zu lassen. [b]Zeiterfassung übers Handy[/b] Für die Mitarbeiter begann ein neues Zeitalter. Die erste spürbare Neuerung: Die alten Stundenzettel sollten weg. Stattdessen: digitale Zeiterfassung über das Handy. „Mich hat das einfach aufgeregt: Da muss ein Mitarbeiter per Hand einen Zettel ausfüllen. Dann läuft man da möglicherweise Tage hinterher. Eine Sekretärin, die ebenfalls Geld kostet, tippt ihn für die Kunden-Rechnung ab – und die Lohnbuchhaltung muss die Daten dann auch verarbeiten. Was für ein Aufwand!“ Mobilfunkgeräte und Spezialsoftware sollten helfen. Von nun an sollten sie die Daten aufnehmen und automatisch für die unterschiedlichen Zwecke bereitstellen. Voraussetzung dafür: Die Mitarbeiter müssen ihre Arbeitszeit ins Mobilfunkgerät eintippen oder einsprechen. Und zwar alle und regelmäßig. Frank Oswald musste an dieser Stelle investieren: Jeder Mitarbeiter erhielt sein eigenes Smartphone. „Am Anfang war das schon eine Umstellung – und man hatte auch ein bisschen Angst, dass man jetzt auf Schritt und Tritt kontrolliert wird“, erzählt Josip Kolpacki, der als Anstreicher für das Unternehmen arbeitet. Und auch Frank Oswald hat die Anfangsskepsis der Mitarbeiter registriert: „Die ersten zwei Tage war das wirklich das blanke Chaos“, erzählt Oswald im Rückblick. „Aber nach einer Woche hatten sich alle Mitarbeiter daran gewöhnt. Und heute fährt keiner mehr ohne sein Firmensmartphone zur Baustelle.“ [b]Automatisch Prozesse auslösen[/b] Die Brüder Josip und Boris Kolpacki nutzen heute ganz selbstverständlich das Firmensmartphone. Und zwar nicht nur zur Stundenerfassung, sondern auch für Fehlermeldungen. „Wenn eine Maschine kaputt ist, machen wir eine Sprachaufnahme oder ein Foto – alles Weitere wird automatisch erledigt“, erzählen sie. Die Sprachaufnahme wird in einen Text umgewandelt. „Wenn im Büro die Nachricht eingeht: ‚Der Druckstrahler ist schon wieder kaputt‘, gibt es einen automatischen Work-Flow zu dem Mann in der Werkstatt, der das Ding repariert“, erzählt Oswald. „Andere Meldungen werden sofort dem Baustellen-Leiter mitgeteilt – oder sie werden in sogenannte ,Aufgaben‘ umgewandelt, die bei dem Verantwortlichen im Computer auftauchen.“ Letztlich sei die Technik immer dazu da, den Mitarbeitern den Rücken freizuhalten, damit sie sich in Ruhe ihrem Handwerk widmen können. [b]Alle Aufgaben auf dem Schirm[/b] Frank Oswald hat unter anderem die Branchensoftware „Winworker“ bei sich eingeführt. „Heute Morgen hat mir mein Computer gesagt, dass ich 92 Aufgaben offen habe“, erklärt er. „80 davon laufen automatisch im Hintergrund ab – für die muss ich gar nicht aktiv werden.“ Die Software macht alle Arbeitsschritte transparent. Sie zeigt, welche Aufgaben sofort erledigt werden müssen – und welche Arbeiten Zeit haben. „Vor Einführung der Software war auch nicht weniger zu tun“, erklärt Oswald. „Man hat die einzelnen Arbeitsschritte nur nicht so präsent gehabt und daher auch viel vergessen.“ Heute kann das nicht mehr passieren: die Anmeldung für den Gerüstbau und die Baustellentoilette, Informationsbriefe für die Nachbarn, Kundenbefragungen zu Beginn und Ende des Projekts. Viele Prozesse laufen heute ganz selbstverständlich in einem einmal festgelegten Workflow und digital ab. „Wenn bei uns eine gute oder schlechte Kundenbewertung eingeht, dann sind die nächsten Arbeitsschritte ganz klar“, erklärt Oswald. Beschwerden schlagen sich automatisch im Terminkalender von Adam Oswald nieder: als persönlicher Besuchstermin beim enttäuschten Kunden. Ein kleines Präsent steht dann auch schon bereit – eine Aufgabe, die das Sekretariat vom Computerprogramm selbständig zugewiesen bekommen hat. Mir hat der Austausch mit anderen Betrieben in Sachen Digitalisierung sehr geholfen. Plötzlich merkt man: Es haben ja alle die gleichen Probleme. Man profitiert von den Erfahrungen der anderen und findet so auch die richtigen technischen und organisatorischen Lösungen für sich selbst. [b]Blick in die Zukunft[/b] „Seit wir angefangen haben, digital zu arbeiten, hat sich unser Gewinn nahezu verdoppelt“, berichtet Oswald stolz. Vermutlich hat das Wachstum nicht nur mit digitaler Technik zu tun, sondern vor allem mit dem stetigen Streben des Geschäftsführers, Verwaltung klein zu halten und Workflows zu optimieren. Oswald weiß, dass er in Sachen Digitalisierung zu den Vorreitern im Handwerk gehört. Und er kann nicht aufhören, von den Möglichkeiten der Technik zu schwärmen: „Wenn meine Jungs im Forschungsprojekt jetzt mit digitalen Datenbrillen experimentieren, dann träume ich schon, wie das in Zukunft sein wird: Dann Scannen die mit ihrem Blick den Barcode auf dem Farbeimer, und die Brille sagt ihnen sofort, was für eine Düsengröße sie jetzt brauchen. Und wenn auf der Baustelle was nicht läuft, lasse ich mich freischalten und kann dann am Computer eine Ferndiagnose stellen – das sind doch fantastische Aussichten.“ [url]http://www.holzgespuer.de/[/url] Quelle: [url]https://www.kofa.de/aus-der-praxis/situation-analysieren/digitaler-malermeister[/url]

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